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| Das siebente Leben - Roman Teil 7, Schluss "Wir sollten mal das Boot sauber machen, es ist beinahe vollständig rot . vom Wüstensand." Stelle ich fest. "Aber lass uns erstmal losfahren. Wäre schade um den Tag. Zur "Carbonero" oder zur "Stanfield"? Was meinst du?" "Egal, entscheide du!" Bekomme ich als Antwort von meiner Freundin zu hören. Petrus ist schon draußen. Er wollte mit seiner Truppe nach Bajo de Dentro, einem Naturtauchplatz zwischen dem Cap und La Hormiga. Bevor er abgelegt hat kam er zu mir auf das Boot. Sein Halbtrocki hing heruntergepellt an seinem für sein Alter noch recht straffen Bauch. "Glück gehabt gestern, was!?" "Ja, hätte nicht zwei Minuten länger dauern dürfen." "Hier . ich habe was für dich. Ist von dem Frachter "Stanfield". `Warst ja gestern nicht mit von der Partie. Habe ich allerdings auch nicht gestern gefunden . ist schon etwas her." Mit diesen Worten übergibt mir Petrus eine alte beinahe volle Weinflasche und fährt fort: "Riech mal `dran! Das ist echter alter Wein. Der Korken ist an der Oberfläche hinausgeschossen; etwas Wein fehlt. Aber . immerhin. Du stehst auf volle Weinflaschen!?" "Das weißt du doch, alter Mann." Grinse ich zurück, und mit einem Lächeln nehme ich die uralte, leicht verkrustete Flasche in meine Hände und ziehe den Duft der alten Zeit durch meine Nüstern. Meine Augen schließen sich dabei. "Die soll wirklich für mich sein?" Frage ich skeptisch nach. "Ja, Begrüßungstrunk! Willkommen im Hafen . man! Und hier . noch etwas ." Er holt hinter seinem Rücken - es steckte wohl in der Nierengegend im Trocki - eine Tellerscherbe hervor. "Das ist von der "Sirio". Hat eben diesmal so spontan nicht geklappt. Ich hole mir eine neue. Vielleicht kommst`e ja wieder . nächstes Jahr. `Würde mich freuen." Spricht er ohne eine Mine dabei zu verziehen und trocken, und nun im Gehen inbegriffen. Wir beide verstehen uns, trotz der erheblichen Sprachbarriere. Wir sind eben Männer vom alten Schlag: blicklos, starrsinnig, uneinsichtig, abenteuerdurstig und manchmal eben unprofessionell - jeder auf seine Art. Aber beide haben wir dieselbe Geliebte - das Meer und dieselbe Leidenschaft - die Wracks. Und das macht uns zu Verbündete. Schade, dass der gute Petrus so weit weg ist, er könnte ein Freund sein. Wenn ich nächstes Jahr wiederkommen sollte, bringe ich ihm ein neues Ankerseil für seinen Dieseldampfer mit. Die Möwen kreischen, manchmal jaulen sie sogar wir Katzen. Leicht plätschern die Wellen gegen die Mole, als wir die Hafenausfahrt passieren. Einige Gäste sitzen bereits an den weiß gedeckten Tischen und beäugen uns. Die Alpha-Flagge hat Mühe sich aufzurichten - bei diesem leichten Wind. Schwer beladen mit Salz widersetzt sie sich der Erdanziehungskraft, sie nutz jede noch so kleine Böe um sich aufzurichten; sie will zeigen, dass sie eine Taucherflagge ist. Leise schnurrt der Viertakter. Gern wäre er lauter um den Passanten an Land zu verstehen zu geben, zu welcher Kraft er fähig ist. Aber beide stellen sie gemeinsam fest, dass es da draußen keine Zuschauer gibt und dass Wracktauchen ein Sport ohne jedwede Zaungäste ist. Man fährt für einen Augenblick an der Pier an diesen Gaffern vorbei und sie sehen lediglich ein auslaufendes Gummiboot mit zwei Leuten darauf. Die einen halten den Motor für einen stinkenden Zweitakter und die anderen die Alpha-Flagge für eine Anglerfahne. Und das haben die Beiden eben erkannt. Und so ist es letztendlich egal wer da gafft und warum er da gafft und was er sich dabei denkt. Man wünscht sich vielleicht für einen Augenblick, dass man als >der Taucher< erkannt wird. Aber . das läuft eben nicht so. Was Motor und Alpha-Flagge erkannt haben, sehe ich nun auch. "Hey, Kleines! Du sonnst dich ein bisschen und ich fahre mal die Positionen von Petrus an. Mal sehen, was dabei herauskommt." Schlage ich meiner Freundin vor. Doch es ist heute recht frisch und sie hüllt sich eher in den Pulli. Wir passieren Bajo de Dentro nördlich. Ich sehe aus weitem Abstand Petrus Dieseldampfer. Zum Winken ist er zu weit weg, ich mache es dennoch. Ich werde den Petrus um seinen Erfolg nicht betrügen. Es fällt mir ein kleinwenig schwer, doch werde ich nicht hinabsteigen, sollte ich einen markanten Ausschlag auf dem Fishfinder haben. Ich möchte wenigstens nur einmal darüber fahren, über einen völlig unbekannten großen Frachter. Und zudem spornt mich mein Ehrgeiz an. Petrus ist kein Seemann und wenn dort ein Wrack ist, dann finde ich es. Bahn um Bahn ziehe ich und bekomme langsam gegenüber meiner Freundin ein schlechtes Gewissen. Ihr ist bestimmt langweilig und frisch zugleich. Doch hat sie Zeit, sich ausreichend zu überlegen, ob sie Lust hat zum Tauchen oder ob sie nur mir zu Liebe mitkommen würde - wegen der Fotos, die es letztendlich doch nichts Wert sein werden im Hinblick auf Zwang. Nichts, ich bekomme bei keiner der beiden Positionen auch nur verdachtsweise einen Ausschlag. Auch die dritte Position ist ein Misserfolg, obwohl ich die gespeicherte Position angefahren bin, auf meinem Kompass die 300 Meter richtungstechnisch gepeilt habe und mich nun an der vermeintlich richtigen Stelle befinden sollte. Jeweils 500 mal 500 Meter und das ganze an drei Positionen fahre ich ab. Der Morgen ist bis weit über Mittag hinweg regelrecht vergurkt. Doch wie eine Katze vor dem Mauseloch habe ich Ausdauer vor dem Fishfinder bewiesen und bin Bahn um Bahn gefahren. Ohne Erfolg. "Ich fahre jetzt mal die par Hundert Meter zur "Stanfield" rüber. Wollen wir da noch Tauchen?" Frage ich meine Freundin. "Och nö . so richtig Lust habe ich nicht wirklich. Geh doch alleine . ist kein Problem." Antwortet sie, bereits im dicken Mausfell - noch ohne Schwanz - im Vorschiff sitzend. Ich lächle zurück: "Na dann ist ja gut. Ich hätte gedacht, ich versaue dir vielleicht deinen Tauchgang. Ich habe nämlich heute irgendwie rein gar keine Lust zum Tauchen. Wir fahren zum Abschied noch mal drüber, dann in den Hafen und sehen zu, dass wir den Dampfer aufgeladen bekommen. Vielleicht machen wir ja noch auf der Rückfahrt für einen Tag in Marseille stopp und gehen an die "Liban". Oder wir sind eben rechtzeitig zu Hause und machen es uns dort einfach nur gemütlich." Da liegt sie die "Stanfield", um die 5500 Bruttoregistertonnen Rauminhalt. Ein gewaltiger Frachter. Etwas schwer ist es mir ums Herz. Doch heute ist nicht aller Tage, ich komm` wieder, keine Frage. Und mit "Paulchens" Spruch drehe ich ab und es geht auch noch mal vorbei an Bajo de Fuera, denn hier ruhen die "Sirio", die "Minerva" und die riesige "Nord America" und Reste eines weiteren noch nicht identifizierten Schiffes. Ich kann es nicht lassen, eine Ehrenrunde um die kleine unscheinbare rote Markierungsboje zu drehen. Der Fishfinder springt auf kaum vier Meter. Kein Wunder, dass dieser kleine Unterwasserfelsen so vielen stattlichen Schiffen zum Verhängnis wurde. Auf dem Weg in den Hafen sehe ich Petrus Dieseldampfer nun in einer kleinen Bucht an unsere Klippe liegen. Seine Jünger wollen hier ihren Wiederholungstauchgang tätigen. Es ist eine kleine gemütliche Bucht, es geht hier bis auf vielleicht 16 Meter runter. Ich fahre einen Schlenker und mache kurz bei Petrus am Spiegel fest. Es wird noch ein bisschen wirres Zeugs gelabert und ich teile ihm meine Entscheidung Abzureisen mit. Ich solle mir gefälligst beim Aufladen Zeit lassen, sodass wir uns noch in Ruhe die Hand zum Abschied reichen können. Ich bejahe seinen Wunsch, fürchte ich doch um den Spaß seiner Jünger . nicht dass er nach 10 Minuten mit einer Zange an die Leiter klopft und "Schlechtwetter" vorhersagt. Glauben würden sie es ihm bestimmt. Und schließlich kann man sich der Sicherheit Willen im Nachhinein mal geirrt haben. Laut Werftbesitzer haben wir ab jetzt 30 Minuten Zeit unseren Dampfer aus dem Wasser zu kriegen. Er müsse weg. Da der aufgepallte Kutter immer noch die direkte Zufahrt zur Slipanlage versperrt, mache ich mir grundsätzlicher Natur Sorgen. Jedoch klappt alles am Schnürchen und nun blockiere ich wieder acht Parkplätze nahezu direkt vor meiner Lieblingsbasis. Ein konkurrierendes voll besetztes Tauchboot macht an der drei Schritte weit entfernten Pier fest. Auch sie kommen von einem Tauchgang zurück. Einer der Gäste holt seine Kamera heraus und fotografiert das Gespann. Er scheint zu befürchten, dass wir gleich losfahren könnten. Denn Petrus, Manu, meine Freundin und ich liegen sich abwechselnd in den Armen. Doch schafft der gute eine gewagten Sprung auf die Pier und ich drücke Manu eben noch 2 Minuten länger. Er nutzt die Chance und kann nun in Ruhe von Land aus knipsen. Manchmal entscheiden eben zwei Minuten über Erfolg oder Niederlage. Und da es mich im tiefsten Inneren nicht unangenehm berührt, gebe ich ihm diese zwei Minuten. Vielleicht möchte er sich eines Tages auch ein Boot zu legen, und eben diese hat ihm schon mal recht gut gefallen, auch wenn es momentan eher hellgrau/rot erscheint als schneeweiß. Am Samstagmorgen machen wir direkt vor Marseille etwa gegen 3.30 Uhr die erste Rast. Eine Stunde später surrt plötzlich die Zentralverriegelung. Ein junger Mann verschwindet im zügigen Schritt. Scheinbar hat ihn der laute Schließmechanismus und meine aufgeschreckte, hässliche Fratze so entsetzt, dass er sein Vorhaben - uns im Schlaf auszurauben - aufgegeben hat. Das Türschloss ist ruiniert. Wir hingegen sehen das als "böses Ohmen" und beschließen nach kurzer Überlegung nach Hause weiter zu reisen. *** E N D E *** © Rene Heese 2007 Rechtlicher Hinweis: Dieser Roman ist frei erfunden. Die Gegebenheiten, die Tauchgänge haben so nie statt gefunden. Tauchen ist lebensgefährlich. Ich rate von Tauchgängen und Nachahmungen dringend ab. Keine Haftung aus Nachahmung! |
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